Kambodscha: Kleiner Junge und ein Tigerpython sind Freunde

Kambodscha – Eine Schlange zum Kuscheln

Hierzulande spielen Kinder mit Hunden, Meerschweinchen, Katzen oder Zwergkaninchen. In Kambodscha leben ein Junge und seine Familie seit Jahren mit einem riesigen Tigerpython in der Nähe von Phnom Penh unter einem Dach.

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In einem kleinen Dorf, nahe Phnom Penh lebt der Junge Sombath, auch Snake Boy genannt, mit diesem riesigen Tigerpython zusammen.
Kambodscha, Provinz Kandal: Snake Boy Sombath mit seinem Tigerpython

Tigerpython als „Bruder“ und Haustier

Kreischend rennt Sombath mit seinem Drachen an der Hand durch den staubigen Hof. Aufgeschreckt flattern die Hühner vom Misthaufen, flüchten über den Zaun auf die Straße vor dem Haus. Nur die Rinder und der struppige Mischlingsrüde dösen gelassen im Schatten der Kapokbäume. Sie sind schon an Sombaths Spiel gewöhnt. Der Drachen verfängt sich in den niedrigen Bäumen, spitze Äste schlitzen ihn auf. Sombath fängt an zu weinen, aber für eine lange Trauer bleibt keine Zeit. Seine Mutter Kim Kanara ruft den Elfjährigen ins Haus, weil Gäste aus der Hauptstadt Phnom Penh angekommen sind – wie so oft an den Wochenenden. Die angereisten Städter wollen den Jungen sehen, ihn berühren und von ihm ein paar buddhistische Weisheiten empfangen. Sombath gilt in Kambodscha nämlich als ein Wunderkind, weil er eine Schlange als Bruder hat und mit ihr, einem ausgewachsenen Python, nachts in einem Bett schläft.


„Der Python war gerade mal 70 Zentimeter lang und nicht viel dicker als ein Besenstiel. Seitdem ist die Schlange nicht mehr von Sombaths Seite gewichen.“


Wenn Snake Boy Sombath mit seinem Python vor dem Haus spielt, versammeln sich schnell Neugierige. Der Junge lebt mit seiner Familie in der Provinz Kandal in Kambodscha.
Snake Boy Sombath spielt mit seinem Python vor dem Haus in der Provinz Kandal

Verehrung von Sombath und dem Python

„Als Sombath drei Monate alt war, kam die Schlange in unser Haus und verkroch sich unter Sombaths Bett.“, erinnert sich die 39-jährige Kim Kanara.
„Der Python war gerade mal 70 Zentimeter lang und nicht viel dicker als ein Besenstiel. Seitdem ist die Schlange nicht mehr von Sombaths Seite gewichen.“
Seine Mutter kann sich das freundschaftliche Verhältnis zwischen der Würgeschlange und ihrem Sohn nur so erklären, dass sich Sombath und der Python schon aus einem früheren Leben kennen. „Mit Sicherheit waren die beiden vor ihrer Wiedergeburt Geschwister“, sagt sie.
Dass Sombath und der Tigerpython etwas ganz Besonderes sind, glauben viele Menschen in Kambodscha. Die Schlange und das Kind werden im ganzen Land verehrt.

Um den 100 Kilo schweren Python vor das Haus zutragen, müssen Sombaths Vater Khuon und andere Familienmitglieder mitanpacken. Sombath wohnt in der Provinz Kandal in Kambodscha.
Stolz zeigt Snake Boy Sombath sein Haustier, einen 100 Kilo schweren Python.

Der Anblick der Schlange soll Glück bringen

In der spartanisch eingerichteten Hütte versammeln sich die Besucher um einen kleinen Haustempel. Beim Eintreten aus dem gleißenden Sonnenlicht in den engen Wohnraum der sechsköpfigen Familie müssen sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnen. Die diffuse Innenbeleuchtung, eine ständig flackernde Neonröhre, wird von einer alten 12-Volt-Autobatterie gespeist. In den ländlichen Gegenden Kambodschas gibt es kaum Strom aus der Steckdose, schon eine Batterie ist purer Luxus.
Eine bronzene Buddha-Statue, Bilder der Erleuchtung und viele bunte Wimpel schmücken den Hausaltar. Darunter steht eine wacklige Holzpritsche, unmittelbar daneben der leere Käfig der Riesenschlange. Der fünf Meter lange Python liegt auf dem kühlen Boden unter dem Bett, in eine dunkle Ecke geschmiegt.

Kambodscha, Provinz Kandal. Sombath ist als Snake Boy nicht nur in seinem Dorf bekannt. Er lebt zusammen mit einem fünf Meter langen Python im Haus.
Kambodscha, Provinz Kandal, Snake Boy, Sombaths Tigerpython ist fünf Meter lang.

Jeder Besucher bekommt von Mutter Kim ein paar glimmende Räucherstäbchen in die Hand gedrückt, richtet damit kurze Gebete an Sombath, verneigt sich vor der göttlichen Schlange und steckt die qualmenden Stäbchen in eine rote Blumenvase. Wenige Minuten später ist in dem engen Raum die Luft mit Weihrauch geschwängert, die Augen tränen. Die Pilger sind sich sicher, dass ihnen der Anblick der Schlange und des Jungen in der Zukunft viel Glück bringen wird. Deshalb kommen sie, und deshalb geben sie Sombath ein paar gefaltete Geldscheine als Spende, wie es auch in jedem Kloster üblich ist. Buddhisten glauben nämlich an den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt nach dem Tod. Mit ihrer Geldspende wollen die Hauptstädter aus Phnom Penh ihr ganz persönliches Karma – eine Art Konto der guten und auch schlechten Taten im täglichen Leben – verbessern.

Der Python wiegt 100 Kilogramm


Sombath dauert die Zeremonie zu lange, er wird ungeduldig. Wahrscheinlich denkt er an seinen verunglückten Drachen im Baumwipfel, der ihm mehr am Herzen liegt als die paar Riel, die er in der Hand hält. Seiner Mutter ist das Geld dagegen willkommen. Kim Kanara arbeitet in einer kleinen Textilfabrik und verdient mit dem Nähen von Hosen, Hemden und Jacken im Monat knapp 40 US-Dollar. Das reicht gerade zum Leben.

Wenn der Tigerpython im Freien ist, dann kommen Sombaths Freunde, um den kalten Schlangenkörper zu streicheln.
Sombaths Freunde streicheln gern den kalten Körper des Tigerpython

Die Pilger wollen nun die Schlange in voller Länge bei Tageslicht sehen. Sombath soll zeigen, wie er sich ohne Angst an das Riesenreptil schmiegt, soll beweisen, dass die beiden gute Freunde sind. Kim Kanara ruft ihren Ehemann Khuon und dessen jüngeren Bruder. Denn von allein will der Python, der am Tag schläft und nachts aktiv ist, nicht aus dem Haus. Über 100 Kilo Lebendgewicht müssen die beiden nun ins Freie schleppen. Die Schlange ist gut genährt. „In der Woche verschlingt der Python drei, manchmal auch vier Hühner. Die kaufe ich auf dem Markt im Nachbardorf“, erzählt Kim Kanara und streichelt dabei über die schuppige Haut der Schlange.

Dem Tigerpython wird es irgenwann zuviel


Ob sie denn keine Angst habe, dass sich die Würgeschlange an Sombath vergreift? „Nein, das kann nicht passieren“, ist sich Kim Kanara absolut sicher. „Schließlich ist Sombath im Jahr des Drachen geboren, und das schützt ihn vor allen irdischen Gefahren“.
Endlich draußen, liegt die Schlange eingekringelt auf der schattigen Bambusliege. Sombath kuschelt in ihrer Mitte, quietscht vergnügt, knuddelt ihren Kopf. Der Tigerpython liegt regungslos da. Aber irgendwann wird es ihm offenbar zu viel. Er verkriecht sich langsam wieder ins Haus, in seine dunkle und kühle Ecke. Sombath ist darüber nicht gerade böse. Er nutzt die Chance und rennt zu seinem Drachen, der immer noch im Baumwipfel hin und her schaukelt. Lange wird ihm aber keine Zeit für sein Lieblingsspielzeug bleiben. Denn es ist Wochenende und die nächsten Pilger kommen bestimmt.

Drei Monate war Sombath alt, als die Schlange in das Haus der Eltern kam. Nun lebt der Python seit elf Jahren mit der Familie zusammen in der Kandal-Provinz.
Snake Boy Sombath schmust mit seinem Tigerpython.

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