Inle-See: Einbeinruderer und schwimmende Gärten in Myanmar

Zu Besuch bei den „Söhnen des Sees“ auf dem Inle-See

Sie haben einen kurzen Weg zum Fischfang, müssen dafür nur vor die Haustür gehen. Ihr Gemüse ernten sie in schwimmenden Gärten, bewohnen auf Stelzen gebaute Bambushütten und hoffen auf eine bessere Wiedergeburt. Dabei leben sie jetzt schon im Paradies.

In der Shan-Provinz in Myanmar lebt das Volk der Intha auf dem Inle-See. Die Männer arbeiten meist als Fischer.
Bis nach Sonnenuntergang arbeiten die Fischer vom Volk der Intha auf dem Inle-See.

Bootstour mit Tin Maung

Mit blubberndem Getöse trennt die Schiffsschraube die spiegelglatte Wasseroberfläche und verfängt sich gelegentlich in den Schlingpflanzen. Der Motor scheint sich abzuwürgen, ächzt, ruckt kurz, und die Fahrt geht weiter. Wir sehen kaum die Hand vor Augen. Routiniert steuert Tin Maung das schlanke Boot durch die dichte Nebelwand über den glasklaren Inle-See. Die kühle Morgenluft pfeift durch jede noch so kleine Ritze. „Seit etlichen Jahren fahre ich jeden Tag vor Sonnenaufgang über den See.“ erzählt Tin. „Ich kenne hier jedes Haus, jede Insel, jedes Hindernis. Also: don´t worry!“, beruhigt er uns und bekräftigt seine Worte mit dem typisch burmesischen Lächeln – Augen zu, Zähne zeigen und laut kichern. Als sein Großvater ihm das Boot 1995 anvertraute, verirrten sich nur wenige Touristen hierher. Heute fehlt bei keiner Myanmar-Reise – neben den Highlights Bagan, Mandalay und Yangon – ein Abstecher zum Inle-See.

Der zweitgrößte See Myanmars, 22 Kilometer lang und 11 Kilometer breit, liegt eingebettet in einer malerischen Berglandschaft in der Shan-Provinz. Lange Zeit zählten viele Gebiete im Shan-Staat zum „No-Go-Area“ für ausländische Touristen, der Inle-See war davon ausgenommen, er wurde mit seinen Kulturschätzen und den friedlichen „Söhnen des Sees“ zu den von der ehemaligen Militärregierung freigegebenen Reisezielen in Myanmar erklärt.

Die Bootstour auf dem Inle-See in Myanmar führt durch die schwimmenden Gärten und weiter zu den Handwerksmanufakturen.
Bootstrip durch die schwimmenden Gärten auf dem Inle-See in der Shan-Region

Bootstour auf einem Kanal im Dorf Ywama auf dem Inle-See in Myanmar. Die goldene Spitze der Phaung-Daw-U-Pagode strahlt im Hintergrund.
Ohne Boot geht auf dem Inle-See gar nichts. Im Hintergrund: Phaung-Daw-U-Pagode

Mit der einzigartigen Einbeinrudertechnik gleitet ein Fischer durch die schwimmenden Gärten auf dem Inle-See in Myanmar.
Ein Mann vom Volk der Intha rudert durch die schwimmenden Gärten auf dem Inle-See.

Hunde müssen am Ufer „Gassi gehen“

Durch seine Höhenlage von 900 Metern über dem Meeresspiegel herrscht hier tagsüber immer ein frühlingshaftes Klima und bietet ideale Lebensbedingungen. Fast autark lebt das Volk der Intha auf und vom Inle-See. Rund 70 000 Menschen leben in etwa 40 Ansiedlungen, 17 Dörfer davon stehen direkt im Wasser. Vor ihren Stelzenhäusern aus Bambus, Schilf oder Teakholz bauen sie auf kleinen Beeten Gemüse, Kräuter und Blumen an. Aus Bambusverschlägen – nur eine Handbreit über dem Wasser – grunzen schwarze Hausschweine und Hühner scharren in den verankerten Gemüsegärtchen. Hunde werden zum „Gassi gehen“ schon mal mit dem Kanu ans Festland mitgenommen, denn Erde zum Verscharren gibt es hier nicht. Sich selbst und ihre Wäsche reinigen die Seebewohner direkt vor der Haustür, schließlich leben sie in der größten Badewanne Myanmars. Tagsüber wirken die Dörfer wie ausgestorben. Wenn die Eltern ihre Kinder mit dem Kanu in die Schule gebracht haben, bewirtschaften sie die schwimmenden Gärten, verkaufen ihre Ernte auf einem Markt oder verdienen Geld mit dem Tourismus.

Auf dem Inle-See in Myanmar lebt das Volk der Intha in Holzhäusern auf Stelzen.
Das Volk der Intha wohnt in Pfahlhäusern aus Bambus und Holz auf dem Inle-See im Shan-Staat.

Das Volk der Intha wohnt in Pfahlhäusern aus Bambus und Holz auf dem Inle-See im Shan-Staat.
Auf dem Inle-See in Myanmar lebt das Volk der Intha in Holzhäusern auf Stelzen.

Wie Flamingos auf einem Bein

Langsam löst sich der Nebel auf, lässt wärmende Sonnenstrahlen passieren und ermöglicht den ersten schemenhaften Fernblick über den See. Die Bergspitzen verstecken sich noch hinter einer zarten Wolkendecke. Motorboote kommen uns entgegen, vorn beladen mit Hartschalenkoffer, hinten mit Wolldecken eingepackte Touristen. Wir stoppen. In fotofreundlicher Entfernung gleiten ein paar Fischer mit ihren schmalen Holzbooten geräuschlos über die Wasseroberfläche und gehen, ohne sich von dem regen Verkehr links und rechts stören zu lassen, ihrer Arbeit nach. Die einzigartige Rudertechnik hat sie weltberühmt gemacht. Wie Flamingos balancieren sie einbeinig auf einer kleinen Plattform am Bootsheck. Das zweite Bein umschlingt elegant, mit Kniekehle und Fußgelenk, ein dünnes Holzruder. Fast mühelos, mit geschmeidigen Hüftschwingen, dirigieren die Gondoliere Myanmars so ihr Boot über den See. Diese Art zu rudern ermöglicht es dem Fischer im Einmannbetrieb Netze und Reusen auszulegen und gleichzeitig seinen Holzkahn zu manövrieren. Die zirkusreife Nummer gehört für die „Söhne des Sees“ zum Arbeitsalltag.

Mit der einmaligen Einbeinrudertechnik gleitet ein Mann vom Volk der Intha über den Inle-See in der Shan-Provinz.
Nur die Männer der Intha vom Inle-See beherrschen die einzigartige Einbeinrudertechnik.

Myanmars Gondoliere als Fotomodels

Ihre Haupteinnahmequelle ist neben der Bewirtschaftung der schwimmenden Gärten, der Fischfang. Einige Fischer hängen neuerdings in der touristischen Hochsaison ihre Netze und Reusen an den Nagel, um sich einer attraktiveren Verdienstmöglichkeit zu widmen. Pünktlich um 8 Uhr morgens und nachmittags gegen 17 Uhr warten sie in der Nähe der Kanalmündung nach Nyaungshwe auf vorbeikommende Touristenboote. Mit akrobatischen Einlagen auf ihren Holzkähnen versuchen die Fischer dort ein paar Dollar Gage als Fotomodels zu verdienen.

Einzigartig ist die Einbeinrudertechnik vom Volk der Intha. Männer fischen mit riesigen Reusen im Inle-See.
Durch die einmalige Einbeinrudertechnik ist das Volk der Intha vom Inle-See über Myanmars Grenzen bekannt.

Mit riesigen Reusen fangen die Fischer vom Volk der Intha Fische aus dem Inle-See im Shan-Staat in Myanmar.
Die Männer der Intha fischen mit großen Reusen im Inle-See in der Shan-Provinz.

Schwimmende Gärten aus Wasserhyazinthen

Der schnell wachsende Tourismus beeinflusst auch hier die Menschen und ihre Gewohnheiten. Der Gemüseanbau in den schwimmenden Gärten hat sich allerdings über all die vielen Jahre in keinster Weise geändert. Ein fünf Kilometer breiter Gürtel aus wild wuchernden Wasserhyazinthen umschließt den Inle-See und droht ihn, besonders bei niedrigem Wasserstand im Frühjahr, langsam zu ersticken. Doch die Intha schaffen es geschickt ihren See am Leben zu halten. Durch die zusätzliche Anhäufung von Algen und Seeschlamm entsteht über viele Jahre eine meterdicke Humusschicht. Davon stechen sie handtuchgroße Parzellen ab und verankern diese in langen Reihen mit Bambusstangen auf dem See. Die schwimmenden Gemüsegärten erstrecken sich über mehrere Hektar und können durch ein weitverzweigtes Netzwerk von schmalen Kanälen beidseitig mit einem Kanu von den Frauen der Intha bepflanzt und abgeerntet werden. So wachsen das ganze Jahr über Bohnen, Auberginen, Kohl, Blumen und vor allem Tomaten auf dieser beispiellosen Hydrokultur. Über 70 Prozent der gesamten Tomaten, die in Myanmar auf den Märkten liegen und verzehrt werden, sollen von den schwimmenden Gärten stammen.

  • Die Frauen der Intha setzten Tomatenpflanzen in den schwimmenden Gärten auf dem Inle-See.
  • In den schwimmenden Gärten auf dem Inle-See werden meist Gemüse wie hier Tomaten angebaut.
  • Auf dem Inle-See kümmern sich die Frauen der Intha um die schwimmenden Gärten in Myanmar.

„Echte“ Antiquitäten auf dem Markt

Wo geerntet wird, blüht auch der Handel. Auf und am See findet täglich ein Markt statt. Es ist eine uralte Tradition, dass sich im Shan State, in einer Art Rotationsprinzip, fünf Ortschaften, in einem territorial begrenzten Gebiet, mit dem Morgenmarkt abwechseln. Die Märkte am See in den Orten Nam Pan, Kaung Daing, Maing Thauk, Than Daung und Indein erfreuen sich hier hoher Beliebtheit bei den Einheimischen und Touristen. Tin verringert die Geschwindigkeit. Im Schritttempo gleiten wir durch den schwimmenden Markt in Ywama. Blitzartig umringt uns eine Armada Souvenirverkäufer mit ihren wackligen Kanus. Einst wurden hier, wie auf allen Märkten, Obst, Gemüse, Frischfleisch und Tabak von Boot zu Boot angeboten und verkauft. Heute verkommt auch dieser Markt langsam zu einem weiteren Touristenspektakel auf dem See. Mit Schuhcreme hochpolierte Holz-Buddhas, Seidenschals, silberne Glöckchen und auf uralt getrimmte Gebetsbücher türmen sich in den schwimmenden Souvenirshops. „Hello Mister kaufen für Frau schöne Schal. Hier Mister please look, very old, really äscht Leder.“ Die Verkäuferinnen geben sich in vielen Sprachen redegewandt, wir sind aber auch nicht „blond“. Echte Schätze und fast vergessene Traditionen hat dagegen ein anderes Dorf zu bieten.


Im Ort Ywama stehen die Zedis der Pagode Aung Mingalar an einem Kanal des Inle-Sees.
Weiße Stupas der Aung-Mingalar-Pagode im Dorf Ywama auf dem Inle-See

  • Frau der Pa-O auf dem Mingalar-Markt in Nyaungshwe am Inle-See. Diese ethnische Gruppe lebt in den Shan-Hügeln und baut Gemüse, Chili, Ingwer und Tee an.
  • Auf dem Mingalar-Markt in Nyaungshwe am Inle-See sind meist frühmorgens die Einheimischen unter sich.
  • Der Fünf-Tage-Markt, hier in Nyaungshwe am Inle-See, findet immer morgens in verschiedenen Orten rund um den Inle-See statt.

Lotoswebereien und Silberschmiede

Wegen des wachsenden Andrangs ausländischer Besucher eröffnen immer mehr Gold- und Silberschmieden, Schirmmanufakturen und Seidenwebereien. Feine Seidenfäden werden zu bunt schimmernden Bahnen gewebt und vorwiegend nach Japan, Amerika und Europa exportiert. Auch schon fast vergessenes Handwerk wird wieder neu belebt. Tin macht nach einer kurzen Strecke den Motor aus und wir hören das pausenlose Klappern der Webstühle. „Fast jede Familie lebt hier vom Tourismus“, weiß unser Bootsführer. „Das Dorf Inpaw Khon ist bekannt für die uralte Kunst der Lotusweberei.“    

Frauen der Kayan Lahwi, (Padaung) verstehen ihr Handwerk im Weben hervorragend. In den Webereien am Inle-See stellen sie farbenfrohe Taschen, Schals und Tücher für Touristen her.
Myanmar, Inle-See, Ywama, Weberinnen der Padaung-Ethnie arbeiten an bunten Schals und Taschen.

Im Hnin Thitsar Umbrella Workshop in Ywama auf dem Inle-See wird seit Jahrzehnten die Tradition der Schirmherstellung gepflegt.
Bunte Schirme entstehen im Hnin Thitsar Umbrella Workshop auf dem Inle-See.

Gold- und Silberschmiede wie U Hla Pe & Family Gold and Silver Workshop gehören zu den Handwerksbetrieben auf dem Inle-See in Myanmar.
Mitarbeiter von U Hla Pe & Family Gold and Silver Workshop in Ywama fertigt Schmuck.

Im U Hla Pe & Family Gold and Silver Workshop in Ywama auf dem Inle-See werden nach alter Tradition Silberringe mit Edelsteinen gestaltet.
Traditionelles Handwerk findet man auf dem Inle-See bei den Gold- und Silberschmieden.

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Die Lotusstängel werden knapp

U Zaw Min Htoo sitzt im Verkaufsraum an einem wackligen Holztisch und schaut durch das geöffnete Fenster hinaus auf den See. Seine Brille steckt über der Stirn im Haar, die Finger trommeln leicht nervös auf der Tischplatte. Neben seinem chinesischen Smartphone, Marke Huawei, steht eine silberne Schale mit handgemachtem Konfekt. Palmenzucker ist die beste Nervennahrung. Die braucht er, sagt Herr Htoo, weil mal wieder der Nachschub nicht funktioniert. Mindestens einmal die Woche benötigt seine Weberei 800 Bündel Lotusstiele, um die 30 Mitarbeiter mit Arbeit zu versorgen. Zu viele Manufakturen täuschen eine Lotusweberei als Lockmittel für Bootstouristen vor, um ihre anderen Waren zu verkaufen. „Dort wird nur eine junge Frau mit Lotusstängeln an einen Arbeitsplatz gesetzt und sie muss sehr beschäftigt tun, wenn die Boote mit den Touristen anlegen. Wo soll das noch hinführen?“, schüttelt Htoo den Kopf. „Da wird in der Hochsaison schon mal der Rohstoff für unsere Weberei knapp.“

  • Eine Mitarbeiterin von Myat Pwint Chel Silk & Lotos Weaving im Dorf Inpaw Khon auf dem Inle-See zeigt, wie aus Lotusstängeln der Faden zum Weben entsteht.
  • Geschnittene Lotusstiele werden auseinandergezogen und die unzähligen Fäden mit den Finger zu Garn zusammengerollt. Eine Angestellte bei Myat Pwint Chel Silk & Lotos Weaving demonstriert diesen Vorgang.
  • Die hauchdünnen Lotusfäden werden zusammengerollt, so entsteht der Zwirn in der Lotusweberei im Dorf Inpaw Khon auf dem Inle-See.
  • Frauen arbeiten an traditionellen Holzwebstühlen bei Myat Pwint Chel Silk & Lotos Weaving, einer Lotusweberei im Dorf Inpaw Khon auf dem Inle-See.
  • Im Showroom von der Lotusweberei Myat Pwint Chel Silk & Lotos Weaving auf dem Inle-See kostet ein Lotusschal stolze 110 Euro und mehr.

Thae Su Khaing, eine Mitarbeiterin von “Myat Pwint Chel Silk & Lotos Weaving“, sitzt derweil im Showroom auf dem Holzfußboden, vor ihr steht ein kurzbeiniger Holzhocker und rechts in Reichweite ein Eimer mit Stielen der Lotusblume. Sie erklärt einer Gruppe Japanern mit allen Arbeitsschritten die Garnherstellung. Dafür ritzt sie geschickt vier Stängel der Wasserpflanze an, bricht sie kurz an und zieht die Teile vorsichtig auseinander. Dabei entstehen klebrige Ziehfäden, nicht viel dicker als Spinnweben. Diese rollt Thae auf dem Hocker Stück für Stück zu einem webfähigen Garn zusammen. „Allein für einen Schal verarbeiten wir hier 4000 Pflanzen, für ein Jackett je nach Größe sogar über 30 000“, erklärt sie ihren freundlich nickenden Zuschauern. Die japanische Reisegruppe, sichtlich von der aufwendigen Arbeit beeindruckt, wird nun vom Verkaufspersonal mühelos und ohne Überredungskünste in den Weberei-Shop geleitet, bevor ihr Boot zum nächsten Highlight ablegt. Früher war es nur hochrangigen Mönchen vorbehalten Roben aus dem Garn der Lotusblume zu tragen. Dafür verarbeiteten 40 Weberinnen in einer Woche über 200 000 Stängel, lässt uns Herr Htoo wissen. „Sie ist die Blume Buddhas und symbolisiert Glück und Reinheit.“ 

Von der Natur zurückerobert

Erneut auf dem See, verlassen wir ihn auch schon wieder und biegen in den schmalen Pinghu-Fluss in Richtung Indein ein. Das Knattern vom Außenbordmotor hallt vom dichtbewachsenen Ufer zum Boot zurück. Landleben pur: Kinder springen schreiend in den Fluss, daneben waschen Frauen ihre Wäsche, zwei Männer reparieren ihr Boot, kauende Wasserbüffel schauen uns stoisch hinterher. Nach unzähligen Biegungen und Ausweichmanövern taucht auf einer Bergkuppe ein Irrgarten von weißgetünchten Stupas auf.

Vom Inle-See gelangt man per Boot über den Pinghu-Fluss zur Indein-Pagode mit gespendeten Stupas.
Ausblick auf das Pagodenfeld in Indein nahe dem Inle-See in Myanmar

Zu den bewachsenen Stupas in Indein nahe dem Inle-See kommen immer mehr dazu.
Etwas abseits vom Inle-See liegen die uralten Pagoden von Indein.

Die drei bis vier Meter hohen Chedis stehen aufgereiht wie Zuckerhüte um eine verwitterte Pagode. Die alte Tempelanlage in Indein hat ein Shan-Fürst als Spende im 17. Jahrhundert bauen lassen. Es ist die älteste und größte Kulturstätte dieser Art. Eine kilometerlange, überdachte Wandelhalle führt zu dem Heiligtum. Wer links oder rechts den Gang verlässt, findet von Kletterpflanzen umrankte Relikte vergangener Zeiten aus Sandstein: bröselnde Buddha-Figuren, tanzende Himmelsnymphen und furchterregende Dämonengesichter. Einige Stupas stehen so schief als würden sie bei dem kleinsten Windzug umkippen. Ein Ort an dem die Vergänglichkeit spürbar ist. Tin Maung kommt gern hierher. „Leider reisen viele meiner Kunden im Zeitraffertempo“, erzählt er. „Die meisten Touristen besuchen daher nur die Standardziele: schwimmende Gärten, Seidenwebereien, Silberschmieden, einen der fünf Morgenmärkte und die Phaung-Daw-U-Pagode.   

Die bewachsenen Chedis vom Pagodenfeld von Indein am Inle-See stammen teilweise aus dem 17. Jahrhundert.
Alte Stupas der Tempelanlage Indein nahe Inle-See in Myanmar

Frauen der Pa-O-Ethnie laufen an den Indein-Pagoden nahe Inle-See vorbei.
Myanmar, Inle-See, Indein-Pagoden, Frauen vom Volk der Pa-O auf dem Weg in ihr Bergdorf.

Der kleinste Buddha bewacht die Pagode

Die Phaung-Daw-U-Pagode ist immer ein Besuch wert. Und einmal im Jahr findet hier im September oder Oktober – abhängig vom buddhistischen Mondkalender – das größte und bunteste Festival der südlichen Shan-Provinz statt. Dann ist das ganze Volk der Intha auf den Beinen oder besser an den Rudern. Tausende Pilger strömen aus dem ganzen Land in die Ortschaft Nyaungshwe und versetzen den sonst so ruhigen Inle-See für drei Wochen in den Ausnahmezustand. Die Phaung-Daw-U-Pagode, ein bedeutender Wallfahrtsort in Myanmar, ragt mit ihrer goldenen Kuppel 70 Meter in den Himmel und ist von jedem Winkel auf dem See zu sehen.

Wallfahrtsort vieler Buddhisten Myanmars ist die Phaung-Daw-U-Pagode in Ywama auf dem Inle-See.
Die Phaung-Daw-U-Pagode in Ywama ist das Heiligtum auf dem Inle-See in Myanmar.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen werden vier der fünf vergoldeten Buddha-Statuen aus dem Innern der Pagode in eine königlich geschmückte Barke verladen und in einer spektakulären Bootsprozession über den See gerudert. Die Gold-Buddhas erkennt man nur mit einem ausgeprägtem Vorstellungsvermögen als Statuen des Religionsgründers. Die Heiligtümer, über Jahrhunderte von Gläubigen mit mehreren Kilo Goldplättchen beklebt, erinnern an stark gestauchte Bowlingkegel. Genau drei Wochen geht jedes Jahr die Barke in Form des Karaweik-Vogel mit den vier Buddhas auf Reisen. In den meisten Dörfern ankert das Boot und die Glücksbringer bleiben für eine Nacht dort, um die Klöster zu segnen und den jeweiligen Ort im kommenden Jahr vor bösen Geistern zu schützen.

In der goldenen Barke Shwe Hintha fahren Mönche und Helfer die Buddha-Statuen von Kloster zu Kloster auf dem Inle-See im Shan-Region.
Zum Phaung-Daw-U-Fest auf dem Inle-See führt die Gold-Barke Shwe Hintha die Bootsprozession an.

Die feierliche Bootsprozession führt durch fast alle Dörfer auf dem Inle-See zum Phaung-Daw-U-Festival.
Männer der Intha begleiten die Bootsprozession beim Phaung-Daw-U-Fest auf dem Inle-See.

Jeden Morgen beginnt aufs Neue das gleiche Schauspiel. Die am Abend zuvor kontemplativ mit Goldplättchen beklebten Heiligtümer, was übrigens nur den Männer vorbehalten ist, werden von den Mönchen und Dorfoberhäuptern zur Barke getragen. Schwerbewaffnete Soldaten geben dem religiösen Goldschatz Geleitschutz, obwohl sich ein gläubiger Buddhist nie an diesen Heiligtümern vergreifen würde. Ohne Motor, nur mit Muskelkraft angetrieben, bewegt sich dann das geschmückte Boot unter dem Jubel der Pilger zum nächsten Ort, wo im Kloster schon tausende Gläubige mit Opfergaben warten – immer gefolgt von einer Armada kleinerer Boote, auf denen ausgelassen getanzt, gesungen und getrommelt wird.

  • Die vergoldeten Buddha-Statuen gelangen zum Phaung-Daw-U-Festival auf der Shwe-Hintha-Barke von Pagode zu Pagode auf dem Inle-See in Myanmar.
  • Vor dem Altar in einer Pagode häufen sich die Opfergaben zum Phaung-Daw-U-Fest auf dem Inle-See in der Shan-Provinz.
  • In der Phaung-Daw-U-Pagode am Inle-See stehen fünf Buddha-Figuren – alle hochverehrt jedoch sehr unförmig. Ein Shop bietet diese in Miniformat zum Verkauf an.
  • Vom Dorftempel zu Dorftempel geht die Bootsprozession auf dem Inle-See zum Phaung-Daw-U-Festival. Die Gold-Barke Shwe Hintha ankert hier vor einem Kloster.
  • Nur Männer dürfen an den unförmigen Buddha-Statuen Blattgold anbringen, und das besonders reichlich zum Phaung-Daw-U-Festival auf dem Inle-See.

Dass die kleinste der fünf Buddha-Statuen nicht mit auf die Reise gehen darf, liegt an einem bis heute ungelösten Rätsel: Im Oktober 1963 kenterte das beladene Prozessionsboot während der Überfahrt mitten auf dem See und alle fünf Buddha-Statuen sanken auf den Grund. Bergungstrupps konnten nur vier Buddhas zwischen den Schlingpflanzen finden. Als die Suchenden in der Dunkelheit entmutigt zur Phaung-Daw-U-Pagode zurückkehrten, stand die vermisste fünfte Statue schon an ihrem ursprünglichen Fleck auf dem Altar. Die Freude war groß, aber niemand kann sich bis heute das Wunder erklären. Seitdem darf die verloren geglaubte Buddha-Figur nicht mehr auf der Königsbarke über den See schippern. Der kleine Buddha soll das Kloster in der Zeit des Festivals bewachen. Eine farbige Betonsäule direkt an der Unglücksstelle, auf der ein shwe hintha, die goldene Gans der indischen Mythologie, thront, erinnert heute an das damalige Ereignis.

Eine gelbe Säule direkt an der Unfallstelle, auf der eine Shwe Hintha (goldene Gans) sitzt, erinnert an die damalige Katastrophe auf dem Inle-See im Oktober 1963.
Die Säule mit der Gans Shwe Hintha markiert die Unfallstelle der gesunkenen Barke auf dem Inle-See.

  • Die Padaung-Ethnie, auch Kayan Lahwi, ist eigentlich um Loikaw ansässig. Am Inle-See in der Shan-Provinz haben sie Jobs in Webereien.
  • Drei Frauen vom Volk der Palaung besuchen das Phaung-Daw-U-Fest auf dem Inle-See. Laminiertes Foto als Andenken für Zuhause.
  • In den umliegenden Shan-Bergen des Inle-Sees wohnen Minoritäten wie die Pa-O.

Geben für ein besseres Leben

Wer den Buddhismus in seiner ruhigsten Form kennenlernen möchte, sollte sich schon im Morgengrauen auf den Weg machen: Kurz vor Sonnenaufgang, wenn das erste Sonnenlicht eine rote Aureole über die Shan-Berge legt, winden sich lange Prozessionen barfüßiger Mönche durch die Straßen in Nyaungshwe. Andachtsvoll, ohne ein Danke oder Bitte, ziehen sie stumm von Haus zu Haus. Vor jedem Eingang wartet schon ein Familienmitglied und legt jedem Mönch etwas Reis, Gemüse oder Obst in seine schwarze Bettelschale. Nachdem sich die Mönche zur ersten morgendlichen Meditation in ihre Tempelanlagen zurückgezogen haben, beginnen die Nonnen – in Hellrosa gekleidet – ihren Rundgang zum Spendensammeln. So liefern jeden Morgen über 300 Mönche und Nonnen das gleiche beeindruckende Schauspiel.

Barfuß schreiten die Mönche und Novizen in einer Prozession durch Nyaungshwe am Inle-See in Myanmar.
Am Morgen sammeln die Mönche aus den Klöstern in Nyaungshwe Almosen.

Am Morgen gehen die Mönche aus den Klöstern zum Almosengang in Nyaungshwe am Inle-See.
Almosengang der Mönche und Novizen durch Nyaungshwe in Myanmar

Wir fragen Tin Maung, warum sich die Menschen am Inle-See so sehr auf die Wiedergeburt und ein besseres Leben freuen, wenn sie doch jetzt schon an so einem friedvollen und märchenhaften Ort leben. Ein Blick zum See und auf das fruchtbare Land lässt bei uns Zweifel aufkommen, ob eine bessere Wiedergeburt wirklich so wichtig ist. Wir erhalten von ihm nur ein Achselzucken und wie immer sein typisch burmesisches Lächeln – Augen zu, Zähne zeigen und laut kichern.


Das Volk der Intha wohnt auf dem Inle-See in Myanmar. Hier fischen die Männer am Abend.
Abendstimmung am Inle-See in Myanmar. Fischer vom Volk der Intha bei der Arbeit.

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