Thailands Elefantenretterin Sangduen Lek Chailert im Elephant Nature Park

Thailands Elefantenretterin Lek im Elephant Nature Park

Misshandlung, Wilderei, Ausbeutung: Die Zahl der Asiatischen Elefanten in Südostasien ist alarmierend gesunken. Doch Thailands Elefantenretterin Sangduen Lek Chailert kämpft im Elephant Nature Park in Thailand unermüdlich für die grauen Riesen.

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Elefantenretterin Sangduen Chailert, genannt Lek, kuschelt mit einem Elefantenbaby. Sie ist die Gründerin vom Elephant Nature Park nahe Chiang Mai in Thailand.
Thailand, Chiang Mai, Gründerin vom Elephant Nature Park Sangduen Lek Chailert mit Elefantenbaby

Elefantenhimmel auf Erden

„Qué será, será, whatever will be, will be“, singt Sangduen Lek Chailert leise und streichelt dabei zärtlich den faltigen Rüssel des einjährigen Elefantenbabys Pha Mai. Langsam fallen dem kleinen Dickhäuter die Augen zu, er sinkt auf den sandigen Boden, streckt alle Viere von sich und schläft ein. Sangduen Lek Chailert lächelt zufrieden. Kurze Zeit später schaut sie von der neuen Besucherplattform stolz über ihr malerisches Gelände – der kristallklare Fluss, sattes Weidegrün mit vereinzelt stehenden Baumriesen, friedlich grasende Elefanten- und Wasserbüffelherden, eingerahmt von einer üppig bewachsenen Hügellandschaft und einem blauen Wolkenhimmel.
Sangduen Lek Chailert wird eigentlich von allen nur kurz Lek genannt. „Lek“ bedeutet in Thai einfach nur „die Kleine“ und bei 1,49 Meter und 42 Kilo wäre alles andere gelogen. Sie ist für die schwergewichtigen Elefanten Thailands so eine Art Mutter Theresa: Die 59-jährige Tierschützerin errichtete in Thailand zwei Schutzgebiete für die artgerechte Haltung der grauen Riesen. Der „Elephant Nature Park“ und der „Elephant Haven“ sind gleichzeitig Waisenhaus, Reha-Klinik, Kindergarten und Altersheim für ehemalige Arbeitselefanten. Hier können die Tiere in kleinen Herden frei umherstreifen und so wieder ein annähernd natürliches Leben führen.


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Thailand, Elefantenretterin Sangduen Lek Chailert vom Elephant Nature Park und Elephant Haven mit zwei Elefanten im Mae-Taeng-Tal.
Lek mit ihren Jumbos im Elephant Nature Park bei Chiang Mai, Nord-Thailand

„Wir reden mit ihnen, belohnen sie manchmal mit Süßigkeiten und lassen sie einfach nur Elefanten sein.“

Sangduen Lek Chailert

Touristisch sehr beliebt: Chiang Mai

Dieses einzigartige Refugium für den Asiatischen Elefanten liegt im Einzugsgebiet von Chiang Mai, die von Touristen meist besuchte Region des Landes. Chiang Mai, die zweitgrößte Stadt in Thailand, ist nicht nur für seine exotischen Nachtmärkte, goldenen Tempel und Buddha-Statuen bekannt, sondern auch für die im Dschungel liegenden Naturparadiese. Die Metropole ist Ausgangspunkt für verschiedene Trekkingtouren in entlegene Dörfer der Minoritäten, wie den Lisu, Akha oder Hmong, für Rafting-Abenteuer auf dem Ping-Fluss und Mountainbike-Safaris durch die üppig-grüne Landschaft dieser fast noch unberührten Provinz. Von hier ist es auch nicht weit bis zum sagenumwobenen „Goldenen Dreieck“, das bis heute nichts von dem berühmt-berüchtigten Image verloren hat, als hier noch Drogenbosse und Menschenhändler ihren Geschäften nachgingen. Wo, wenn nicht hier im ehemaligen, natürlichen Lebensraum der Elefanten, können Touristen und auch Einheimische für den Schutz und Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Jumbos sensibilisiert werden?

Die Mahuts (Elefantenführer) kümmern sich um eine Elefantenherde im Elephant Nature Park im Mae-Taeng-Tal, nahe Chiang Mai, Thailand.
Mahuts und Elefanten im Elephant Nature Park

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Mit Elefanten auf Tuchfühlung

Anfangs hätte Lek nie zu träumen gewagt, dass ihr Elefanten-Himmel heute so viel Erfolg haben wird. In Thailand damals unvorstellbar: Ein Elefantencamp ohne Shows mit Tanzauftritten, Kunststücken, Fußball, Rüsselmalerei oder Trekking. „Welcher Besucher würde schon Geld bezahlen, um nur Elefantenherden von Weitem beim Fressen zu beobachten?“ Doch für ihr Elefantenprojekt brauchte die Aktivistin Geld. Sehr viel Geld sogar! Lek ließ sich nicht von ihrem Traum abbringen, Elefanten mit Spenden- und Eintrittsgeldern zu retten. Von Anfang an stand bei ihr fest, dass ihr Konzept nur funktioniert, wenn es einen nachhaltigen und ökologischen Tourismus rund um ihre Elefanten geben wird. Ihre Idee, dass die Parkbesucher mit den Elefanten auf Tuchfühlung gehen, die Tiere im Fluss duschen dürfen und anschließend bei der Fütterung helfen, wurde sukzessive in die Tat umgesetzt. Zuerst kamen nur Tagesausflügler ins Camp, die den Trip pauschal in Chiang Mai in Leks dafür gegründeten Reisebüro buchen konnten. Später entwickelte sie mit ihrem englischen Ehemann Darrick ein Programm für Volontäre. Das Interesse war überwältigend. Seither können freiwillige Helfer für zwei bis maximal sieben Tage im „Elephant Nature Park“ die Mahuts (so heißen die Elefantenführer in Thailand) bei der Betreuung der Jumbos unterstützen – von der Fütterung, dem Ausmisten der Nachtlager bis zum Baden in Fluss.

Misshandelte Elefanten in Thailand

Ein Australier kam regelmäßig und blieb irgendwann sogar für immer dort. Das Beste daran: Die Zeit als Volontär muss von jedem Helfer selbst bezahlt werden und das Geld kommt den Elefanten wieder zugute.

Thailand, Chiang Mai, Elephant Nature Park. Bei einem Tagesbesuch füttern die Gäste die Elefanten.
Im Elephant Nature Park dürfen die Besucher die Elefanten füttern.

Lek kennt jeden einzelnen Dickhäuter im Park beim Namen, von jedem kann sie auch das Schicksal erzählen. Und die sind allesamt herzzerreißend. Bevor Lek die Elefanten rettete, haben alle Grausames erlebt: Die 24-jährige Kuh Malai Tong schleppte Teakholzstämme durch den Dschungel, bis sie auf eine Landmine im Grenzgebiet zu Myanmar trat und ihr Fuß zerfetzt wurde. Für die Arbeit in der Holzindustrie unbrauchbar, ließ der Besitzer das verletzte Tier humpelnd in Bangkoks Straßen Geld und Futter erbetteln. Oder das Schicksal der armen Jokia: Sie verlor bei einem Unfall ihr Baby, verfiel in tiefe Trauer, verweigerte daraufhin die schweren Lasten durch den Dschungel zu schleppen. Ihr Mahut schoss ihr zur Strafe einen Stein ins linke Auge. Als sie weiterhin nicht arbeiten wollte, misshandelte er sie auch am zweiten Auge.

Mahuts baden und duschen ihre Elefanten im Mae-Taeng-Fluss, der sich mitten durch den Elephant Nature Park schlängelt.
Im Fluss Mae Taeng baden Mahuts die Elefanten vom Elephant Nature Park

Elefantenherde im Elephant Nature Park, nahe der Stadt Chiang Mai.
Nord-Thailand, Elefantengruppe im Elephant Nature Park nahe Chiang Mai

Hilfe durch Spendengelder

2005 kaufte Lek die Elefantendame Bua Tong zusammen mit ihrem Baby aus einem Trekkingcamp frei. Die Kuh musste dort den ganzen Tag Touristen auf ihrem Rücken tragen – immer im Schlepptau ihr Baby Tong Jan. Die unterernährte und überarbeitete Mutter konnte Tong Jan nicht ausreichend Milch geben. Als Lek beide in ihr Dickhäuter-Refugium holte, waren sie in einem erbärmlichen Zustand. In der Elefantenklinik, ebenfalls gebaut durch Spendengelder, hat sie der Tierarzt Prasith Moleechart langsam wieder aufgepäppelt. Auch die ausdrucksstarken Augen mit den langen Wimpern von Mae Toh Koh, Jarunee, Mintra oder Lilly und den anderen hier geretteten Elefanten sprechen Bände von unendlichem Leid und Schmerzen.

Tierarzt Prasith Moleechart kuriert die misshandelten Arbeitselefanten im Elephant Nature Park. Der Park befindet sich in Nordthailand nahe Chiang Mai.
Tierarzt Prasith Moleechart arbeitet im Elephant Nature Park.

Lek verbrachte ihre Jugend mit dem Elefantenbullen Thongkhum. Ihr Großvater, Schamane und Kräuterdoktor im Bergdorf Baan Lao nahe der thailändisch-burmesischen Grenze und fernab jeglicher Zivilisation, erhielt von einem seiner Patienten ein Elefantenbaby als Gegenleistung für seine Heilkünste. Thongkhum wurde zu einem Familienmitglied. Lek und der Mini-Elefant wurden schnell zu unzertrennlichen Freunden. In den Holzfällercamps nahe ihrem Dorf musste sie immer wieder mit ansehen, wie schlecht andere seiner Art behandelt werden: Miserable Nahrung, das Fehlen von Schlammbädern, zu wenig Trinkwasser, Parasiten und Krankheiten schwächen die Arbeitstiere. Dafür gibt es Amphetamine und Schläge zur Leistungssteigerung. Lek fasste schon als Teenager einen Entschluss: Thailands Elefanten zu schützen.

Ausgelassen tobt ein Elefantenbaby im Schlammbad im Elephant Nature Park.
Elefantenbaby im Schlammbad vom Elephant Nature Park

Hillary Clinton empfängt Lek

Sie besuchte nach ihrem Touristik-Studium die vielen Arbeitscamps im Dschungel, sprach mit den Mahuts und bot ihnen Hilfe beim artgerechten Umgang mit den Tieren an. 1996 gründete sie mit ihrer Familie den „Elephant Nature Park“. In einem üppig grünen Tal beherbergt das Schutzgebiet seitdem über 38 ehemalige Arbeitselefanten jeden Alters. Fast alle Dickhäuter hat Lek mit Spendengeldern von ihren Besitzern abgekauft. Als die internationale Presse von Leks Elefantenprojekt Wind bekam und BBC, Animal Planet und National Geographic Discovery von ihrer Arbeit berichteten, wurde die Tierschützerin schnell weltweit bekannt. Es folgten etliche Auszeichnungen und Ehrungen. In den Jahren 2002 und 2006 erhielt die Elefanten-Retterin noch zwei Ehrendoktor-Titel der Rajabhat Chiang Mai University. Das Time magazine kürte die zierliche Power-Frau schon 2005 zur „Hero of Asia“, Außenministerin Hillary Clinton lud sie 2010 ins Weiße Haus nach Washington und ehrte Lek unter sechs Frauen als „Women Heroes of Global Conservation“ für ihr Lebenswerk.

Elefantenretterin Sangduen Lek Chailert vom Elephant Nature Park und Elephant Haven spielt mit einem Elefantenbaby.
Sangduen Chailert, genannt Lek, mit Elefantenbaby im Elephant Nature Park

Die ehemaligen Arbeitselefanten im Elephant Nature Park und Elephant Haven laufen frei im Gelände umher.
Thailand, Chiang Mai, Elefanten im Elephant Nature Park

Gebrochener Wille durch brutale Rituale

„Was man tun muss, um Elefanten zu zähmen? Weder mit einem spitzen Metallhaken auf ihre Schädel einhämmern noch sie mit schweren Ketten fesseln!“ Lek ringt um Fassung, wenn sie daran denkt, wie mit den Tieren oft umgegangen wird. „Wir reden mit ihnen, belohnen sie manchmal mit Süßigkeiten und lassen sie einfach nur Elefanten sein.“ Das ist leider die Ausnahme: In Thailand wird noch wie vor 100 Jahren das Ritual phaajan angewendet: Um einen Elefanten als Reittier abzurichten, trennt man ihn frühzeitig von der Mutter. Für mindestens eine Woche sperren ihn die Mahuts in einen zu engen Käfig und binden ihn fest. Mit Futterentzug, Schlägen und Stichen wird schließlich sein Wille gebrochen. Die Tierrechtsorganisation PETA bekam von den brutalen Praktiken ein Video zugespielt und klagte damit die Misshandlungen öffentlich bei der thailändischen Obrigkeit an. Die wies alle Vorwürfe von sich, meinte phaajan werde nur von Minderheiten angewendet. Dem widersprach aber zum Beispiel ein Artikel der Bangkok Post: Jeder Elefant in Thailand sei durch die grausame Zeremonie gegangen.

Bis 200 Kilo Grünzeug verdrückt ein Elefant

Die Regierung Thailands hatte schon 1989 das Leben der Elefanten unabsichtlich erschwert, als sie das Verbot über die Abholzung der Primärwälder für kommerzielle Zwecke erließ. Die Folge? Mahuts und Elefanten verloren über Nacht ihre „Jobs“. Doch was macht man mit einem ausgewachsenen Jumbo, der am Tag bis zu 200 Kilo Grünzeug, dazu Bananen, Zuckerrohr und Tamarinden verdrückt? Vor dieser Frage stehen heute hunderte Elefantenbesitzer. Einige arbeiten weiter illegal im Holzbusiness, die meisten suchen andere Beschäftigungsfelder. Viele Dickhäuter kommen als Reittiere oder Zirkusattraktion in die Tourismusbranche, andere müssen bei nächtlichen Betteltouren in den Städten ihr Futter verdienen. Die sensiblen Tiere werden wie auf einem Gebrauchtwarenmarkt gehandelt, wechseln ständig den Besitzer, obwohl sie normalerweise das ganze Leben nur mit einem Mahut als Bezugsperson zusammenbleiben.

Ein Arbeitselefant zieht Baumstämme durch den Fluss. Lek rettet misshandelte Arbeitselefanten und bringt sie in den Elephant Nature Park nahe Chiang Mai in Thailand.
Arbeitselefant zieht Baumstamm durch einen Fluss im Dschungel.

Eine ausgewachsener Dickhäuter frisst am Tag bis zu 200 Kilogramm Futter. Kürbisse sind Leckerbissen für die Elefanten im Elephant Nature Park.
Im Elephant Nature Park füttert der Mahut einen Elefanten mit Kürbis.

Grundstückspreise steigen immens

Lek ist ständig auf der Suche nach neuen Ländereien, die sie für weitere Schützlinge pachten oder kaufen kann. Aber die Grundstücke rund um den „Elephant Nature Park“ werden hoch gehandelt. Die Grundstückseigner verlangen exorbitante Preise, weil das Elefanten-Refugium immer bekannter wird und täglich viele Touristen anzieht. Da versprechen sich die Landbesitzer ein gutes Geschäft. Weitere 65 Hektar Land hat sie bereits im angrenzenden Dschungel angemietet. In diesem „Elephant Haven“ möchte sie alle rehabilitierten Elefanten entlassen und so ein geschütztes Semi-Auswilderungsgebiet schaffen. Eingezäunt, aber auf jeden Fall groß genug, damit sich die Dickhäuter frei und artgerecht in dem Gehege bewegen können.
Mittlerweile hat Sangduen ihre Arbeit nicht nur auf ganz Thailand, sondern auf alle Elefanten in Südostasien ausgebreitet. Kambodscha und Laos, aber besonders Myanmar liegt bei ihr im Fokus. In dem Nachbarland arbeiten noch hunderte Dickhäuter unter miserabelsten Bedingungen in den Wäldern. Die medizinische Versorgung der Tiere ist durch die jahrzehntelange Mangelwirtschaft in Myanmar katastrophal. Schwindender Nachwuchs ist auch hier das leidige Thema. Sie traf sich erstmalig 2014 mit Mahuts, Dorfbewohnern, mit Vertretern der Regierung und dem Militär und rief dort die „Save Elephant Foundation“ ins Leben. „Unsere Vorfahren haben mit den Elefanten gekämpft. Heute müssen wir um sie kämpfen“, bedauert Lek. „Vor einem Jahrhundert hatten wir allein in Thailand über 100 000 Elefanten, heute sind es vielleicht noch 4000 wilde und domestizierte Jumbos. Wenn wir den Tieren in allen Teilen unseres Kontinents keinen besseren Schutz bieten, werden unsere nachfolgenden Generationen den Asiatischen Elefanten nur noch in Büchern und Zeitschriften bewundern können.“

Tagsüber dürfen die Elefanten im Elephant Nature Park, bei Chiang Mai, Thailand, frei umherlaufen.
Elefantenherde zieht durch den Elephant Nature Park bei Chiang Mai in Thailand.

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Thailand, Chiang Mai, Tipps für den Elephant Nature Park.
Teil 2: Tipps und Infos für den Elephant Nature Park